United States of America I

Nach Jahren der USA-Abstinenz und einer beginnenden, schleichenden Antipathie aufgrund der derzeitig dort herrschenden Politik, bin ich in mein einstiges Lieblingsland zurückgekehrt und habe mich sofort wieder in dieses großartige Land verliebt. Es ist dort eben anders als in good old Europe und sicherlich fühlen sich die Amerikaner als der Nabel der Welt....jedoch, vieles gibt Ihnen auch das Recht dazu!

Es wäre anmaßend zu behaupten, dass 4 Wochen Aufenthalt als Tourist aus mir einen Experten der Gothic-Scene in den USA machen könnte. Des Weiteren ist diese Land einfach RIESENGROSS, so RIESENGROSS dass sich meine Ausführungen zunächst nur darauf beziehen können was ich diesmal erlebt habe. Da aber, wie bereits erwähnt, die alte Liebe zurückgekehrt ist werde ich hoffentlich noch viele Gelegenheiten haben diesen Teil der Reisetipps fortzuführen.

Bevor ich konkrete (mir persönlich bekannte) Tatsachen schreibe, hier ein kleiner Überblick über die wichtigsten Dinge, die der Goth in Gods Own Country wissen sollte.

(Hierbei handelt es sich um persönliche Eindrücke, die keineswegs den Anspruch auf eine endgültige Wahrheit haben. Andere Ansichten und Erklärungen sind mir stets willkommen, zumal ich bei einem nächsten Besuch eventuell ebenfalls davon profitieren könnte)

 

Gothic USA

 

Ganz allgemein hatte ich den Eindruck, als ob der "Schwarzkittel" ganz offiziell Teil des amerikanischen Straßenbildes ist. Es gibt sie überall. In New York ist es Teil der (Sub-)Kultur, im Mormonenstaat Utah Teil der Gegenbewegung. Anders als bei uns vermischt sich die Gothicszene stark mit der Heavy Metal- oder Punkszene, nicht jeder Schwarzgewandete ist gleich ein Goth. Überhaupt, es gibt keine 100%-ige Szenenabgrenzung. Ich erkläre mir dass so: Die USA sind das Land des Rock'n Roll, hier fing alles an und hier entwickelt sich alles. Die Leute hören neue Musik ohne sich jedoch von der alten Musik zu trennen. Dies führt dazu, dass man in einem Club mit mehreren Dancefloors auf der "schwarzen Bühne" nicht selten einen Goth, einen Metaller und einen HipHopper nebeneinander einträchtig zu AC/DC hüpfen sieht. Ich bezeichne so etwas als Toleranz und es gefällt mir.

Schwierig wird es jedoch sich einen Überblick zu verschaffen. In 4 Wochen habe ich ein einziges Gothic-Magazin gesehen (und gekauft) und ich habe wirklich danach gesucht. Auch hier muss man wohl zugrunde legen, dass Gothic "nur" als ein Teil von "Rock'n Roll" wahrgenommen wird und es deshalb keine explizite Gothicszene gibt. Das Internet ist hier wahrlich sehr hilfreich. Wie überall gilt jedoch: Einfach den Kontakt zur einheimischen Bevölkerung herstellen und schon weiß man was abgeht.

 

Gothic Shopping

Die USA sind eine einziges Einkaufsparadies, soviel ist uns allen bekannt. Dies trifft in besonderem Maße auf uns Gothics zu. Halloween ist z.B. einer der höchsten "Feiertage" ergo gibt es massenhaft Zeugs rundum Geister, Vampire etc., ganze Läden befassen sich das ganze Jahr hindurch nur mit diesem Thema. Wer sich die Wohnung gerne gotisch einrichten möchte findet überall eine gigantische Auswahl an Möbeln und sonstigem Nippes, fernab der Plastiktotenschädelaschenbecher hierzulande.

Exquisit das Thema Kleidung. Die meiste gotische Klamottage wird häufig in Fetischläden und (wirklich!) Sex-Shops verkauft. Das Beste ist jedoch die Größenpolitik. Während man hierzulande als gutsituierter Enddreißiger (mit der unvermeidlichen, altersbedingten Bindegewebsschwäche im Hüftbereich) gewaltige Probleme bekommt in die teilweise für magersüchtige Teenager ausgelegte Ware zu passen, sind in Amerika XL und XXL Standards. Warum wissen wir wohl alle....

Bekannt sind auch die teilweise riesigen Shopping-Malls und Outlet-Center. Auch für Goths lohnt es sich diese zu besuchen, denn, wie gesagt, gothic, dark, spooky usw. sind wirklich Teil der etablierten Kultur. Man findet geniale Sachen auch in Shops wo man das nicht wirklich vermutet. Zwei Beispiele:

  Hot Topic ist eine Kette, die man in (fast) jeder Mall oder Outlet-Center findet. Hier gibt es jede Menge Klamotten, Accessoires und Nippes rund um Rock, Heavy Metal, Punk und Gothic. Die Auswahl entspricht dem Mainstream, einen hübschen Kilt für den männlichen Goth wird man hier nicht finden. Ein Besuch lohnt sich trotzdem, allerdings nur einmal. Bei Ketten gilt eben: "Kennst Du einen, kennst Du alle."

Dies ist ein typisches Beispiel für einen Shop, dem man nicht unbedingt ansieht, dass es hier etwas gotisches gibt. Yankee Candle vertreibt hauptsächlich Duftkerzen und das Zubehör. Bei ersten Anblick denkt man an einen Laden für kitschgeschädigte Landhausbesitzer, wenn man sich dann jedoch der Halloween-Collection nähert........traumhaft!

Noch ein genereller Einkaufstip. In guten Gothic- und Fetischläden findet man Kleidung der Marke: aus California. Ausgezeichnete Qualität, innovatives Design, wenn auch nicht ganz billig.

T-Shirts und T-Shirt-Sprüche werden in den USA hochgeschätzt und auch immer gelesen. Nicht selten bekommt man aufgrund eines originellen T-Shirt dementsprechende Kommentare. Der Satz "I like your Shirt..." ist immer ein Anlass zu einem kurzen Smalltalk oder sogar noch mehr. Mit dem richtigen T-Shirt zur richtigen Zeit kann man, anders als bei uns, richtig Eindruck machen. Was ist aber nun originell? Sprüche mit sexuellem Inhalt gibt es wie Sand am mehr, diese sind teilweise schon lustig jedoch so inflationär, dass es nicht mehr originell ist. Zudem kommt noch das etwas verkrampfte Verhältnis der Amerikaner zum Thema Sex (siehe weiter unten). Politische Statements werden gerne goutiert, auch den Präsidenten zu veralbern ist durchaus legitim. In Amerika wird Meinungsfreiheit immer noch hochgeschätzt (was leider auch dazu führt, dass rechtsradikale Parolen ebenfalls anerkannt sind), ein absolutes Tabu ist jedoch eine Pauschalkritik am Land oder gegenüber der Bevölkerung und dazu besteht aus meiner Sicht auch absolut kein Grund. Sport ist immer ein Aufhänger um ins Gespräch zu kommen ebenso Motive und Zitate aus Film und Showbiz. Witzigerweise sind es zumeist europäische T-Shirts, die am Besten ankommen. Das gute alte "Al-Bundy Polk High 69" T-Shirt gibt es in USA nicht und wird deshalb schon teilweise frenetisch bejubelt.  

 

Clubs und Nightlife

 

Dieses ist der einzige Bereich in den Vereinigten Staaten mit dem ich persönlich etwas auf Kriegsfuss stehe. Der Grund dafür ist die für Europäer sehr oft unverständliche Gesetzeslage in Bezug auf Jugendschutz und insbesondere Alkoholkonsum. Diese Gesetzeslage ist auch nicht einheitlich sondern weist schon auf Ebene der Counties (Gemeinden) große Unterschiede auf. Teilweise je nach dem wie religiös die Ausprägung der Bevölkerung ist, und damit habe zumindest ich enorme Schwierigkeiten. Teilweise sind die Verhaltensregeln so kompliziert, dass sie einem die Lust auf das Feierabendbier in irgendeiner Kneipe verderben können. Aber mit einem bisschen gutem Willen kann man das auch lernen und wie immer hilft fragen, reden, kommunizieren...

Das Wichtigste zuerst:

1. Alkoholgenuss in der Öffentlichkeit ist absolut verboten und zwar im ganzen Land. D.h. wer z.B. zum rauchen nach draußen geht muss seine Pulle auf dem Tisch stehen lassen.

2. Alkohol gibt es in jedweder Form erst ab 21. In vielen Bundesstaaten muss das Alter mittels ID (amtliches Dokument mit Lichtbild, also Führerschein, Personalausweis oder Reisepass) nachgewiesen werden. Wenn die Polizei sieht, dass jemand Alkohol verkauft ohne nach der ID zu fragen gibt es Ärger auch wenn der Ge-IDte erkennbar ein Greis oder der eigene Ehepartner ist. Also immer eine ID mitführen!

3. In Clubs und Discotheken ist das Mindestalter 18 Jahre in Bars 21 Jahre. Viele Barbesitzer setzen das Mindestalter jedoch noch höher an. Der Grund hierfür ist, dass das Schlimmste was den Ruf einer Bar versauen kann, die Meinung ist: "The kids hang out there...!"

4. Da wo "Familiy" draufsteht ist auch Familie drin. D.h. kein Alkohol, kein Rauch, keine sexuellen Anzüglichkeiten und keine explizite Sprache oder "abnormes" (was das auch immer sein mag) Erscheinungsbild. Typische Locations hierfür: Familienrestaurants und Freizeitparks.

5. Rauchen ist in Amerika wirklich auf dem absteigenden Ast, aber ganz so schlimm wie immer behauptet wird ist es dann doch nicht. Die wichtigste Regel lautet, wo immer Raucher und Nichtraucher zusammentreffen geht der Schutz der Nichtraucher vor. Immer fragen bevor man sich eine Kippe anzündet. Im ganzen Land ist das Rauchen in Bars und Restaurants verboten, Ausnahmen sind Las Vegas und private Clubs. Bei Biergärten obliegt es dem Betreiber ob er Open Air Raucher zulässt oder nicht. Ich bin selber Raucher und habe mich keinesfalls eingeengt oder diskriminiert gefühlt, aber ich habe weniger geraucht und mir manchmal sogar wirklich überlegt aufzuhören. 

Sehr starken Schutz geniest in den USA der private Bereich. Zwar sind auch hier durch die Terrorgesetzgebung teilweise Einschnitte erfolgt, doch was man z.B. in punkto Alkoholgenuss in den eigenen 4 Wänden treibt ist von der Gesetzgebung weitestgehend ausgenommen. Dieser Umstand hat zur Folge, dass es z.B. in Utah so ist, dass eine Bar, Restaurant oder Diskothek, die Alkohol ausschenkt, immer unter "private club" läuft. Gegen Bezahlung einer (meist geringen) Mitgliedergebühr (oder umsonst auf Empfehlung eines Clubmitglieds) wird man Mitglied und kann dann in den "privaten" Räumen trinken (und oft auch rauchen) wie es einem beliebt. Überhaupt ist es spannend sich mit dem "Geist" der Gesetzgebung zu befassen. Das strafbewehrte Alkoholtrinken in der Öffentlichkeit kann man in manchen Staaten umgehen, indem man eine jener berühmten braunen Papiertüten um die Flasche wickelt. Es soll nämlich verhindert werden, dass der alkoholtrinkende Erwachsene dem Jugendlichen als Beispiel dient. Erkennt man nicht, dass es sich um Alkohol handelt hat das Gesetz seinen Zweck erfüllt ;-)

Das widersprüchlichste Thema in den USA ist das Thema SEX. Während man in jeder Spielhalle als 10-jähriger mit Spielzeug-UZIs feindliche Soldaten umnieten kann, dass das Blut nur so spritzt ist die öffentliche Darstellung einer weiblichen Brust zumeist ein Skandal von der Dimension der Watergate-Affäre. Das Land produziert die meisten Pornofilme auf der ganzen Welt, Prostitution ist jedoch landesweit verboten und wird je nach Bundesstaat unterschiedlich hart verfolgt und geahndet. Im TV und Radio werden explizite Worte "gebeept" gleichzeitig sind Schlägereien in Talkshows ein wichtiger Faktor für die Einschaltquoten. Man könnte endlos so weitermachen, dennoch muss man sagen trotz, oder vielleicht gerade wegen der Prüderie und Widersprüchlichkeit gibt es haufenweise Sex, wenn man danach sucht. Man muss sich allerdings im Klaren sein was unvorsichtiges Vorgehen in diesem Punkt nach sich ziehen kann und ich meine jetzt nicht irgendwelche Geschlechtskrankheiten......

Ganz allgemein empfiehlt es sich immer die einheimische Bevölkerung zu fragen, wie sich die Sache verhält. Auch wenn man dann nicht unbedingt überzeugt ist, dass alles sinnhaft sein muss, so kann man sich wenigsten darauf einstellen und man hat Spaß. Als Ausländer, insbesondere als Europäer hat man in Bezug auf die Alkoholgesetze immer einen gewissen Stein im Brett, ich warne jedoch davor dies als eine Gesetzmäßigkeit zu betrachten. Die hoheitlichen Organe in den USA haben eine andere Machtfülle als hierzulande und ein schlechtgelaunter Sheriff kann einem ganz schön den Tag oder sogar den ganzen Urlaub versauen.  

.......to be continued...

 

Bevor es nun losgeht noch ein paar generelle Links zum Gothic Lifestyle USA:

Das einzige Gothic Magazin dass ich gesehen habe. Das Magazin beschäftigt sich zum größten Teil mit gothic Lifestyle und (im Gegensatz zum Zillo o.ä.) weniger nur mit Musik.

   

Eine Unterabteilung dieser Seite von The Darkside enthält die allseits beliebte und (fast) immer aktuelle Clublist. Hauptsächlich (aber nicht nur) für die USA.

   

Gothic Community für die ganze USA

   
   
zu den Reisetipps......

 

 

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